Es wird nie wieder so sein, wie es beim ersten Mal war. Gefühle sind vergänglich. Erinnerungen auch. Die Zeit steht nicht still. Sekunde für Sekunde, Minute für Minute läuft sie einfach so weiter. Hört nicht auf. Stop, rufe ich laut, und doch hört mich niemand. Wir können nicht zurück. 

Manchmal, da ist es das Herz, was zurück bleibt, während sich der Körper weiter in die Zukunft begibt. Da sind es die Erinnerungen, die noch so frisch sind, und doch nicht mehr richtig zu uns gehören. Das Geräusch der Stadt, die Gerüche auf dem Markt, die Farben an den Häuserwänden. Alles ist weiß, schwarz und grau. Bunt.   

Und so vermisse ich es. Dich. Die erste Zeit in einer neuen Umgebung fühlt sich am intensivsten an. Ungewohnt, anders. Neu. Wir schlendern durch die Gassen der Stadt, setzen uns in Cafés, auf Plätze. Gehören dazu, und doch nicht hierher. Uns fallen neue Dinge auf, Kleinigkeiten, die wir vorher nicht gesehen haben. Waren doch nicht aufmerksam genug. Und in der nächsten Stadt geht es wieder los. Entdecken. Sich verlaufen. Wiederfinden.

Bolivien ist ein Land, das ich nie richtig beachtet habe. Habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich dort hinreisen will, während ich in Peru bin. Aber ich habe mir an sich nicht viele Gedanken vorher gemacht. Doch es war so einfach, dort hinzukommen. Mit dem Bus über die Grenze zu fahren, den Blick auf den blau strahlenden Titicacasee gerichtet. Unbefestigte Straßen, trockenes Gebirge, und ein klappriger Bus, der unbequemer nicht sein könnte. Ein unfreundlicher Blick des Grenzbeamten, ein Stempel mehr im Reisepass und ein Weg den Berg hinauf. Und so stand ich mit den Füßen in zwei Verschiedenen Ländern, die sich für mich doch so ähnlich anfühlen. Auf eine verwirrende Art und Weise. 




Ich fuhr von Großstadt zu Großstadt, über weitere unbefestigte Straßen, mit einheimischen in Bussen, und bahnte mir den Weg durch das Land, das sich still und heimlich in mein Herz schloss. Ich entwickelte eine Liebe zu einer Stadt, in der ich mich erst so verloren fühlte, und verlor mich dann in einer Stadt, der ich immer noch ein wenig nachtrauer. Während La Paz laut, groß und verrückt ist, wirkt Sucre so normal. Wunderschöne Architektur. La ciudad blanca. In La Paz lag meine Kamera die ganze Zeit im Hostel, während ich sie in Sucre gar nicht mehr weglegen wollte, so bezaubernd fand ich es dort. So liefen wir abends auf einen Berg, wo eine Aussichtsplattform ist, und schauten uns einen wunderbaren Sonnenuntergang an. Doch auch in dem Hostel mit dem traumhaften Frühstück und den Hängematten waren die Abende perfekt. Je später es wurde, und mehr Wein floss, desto offener wurden die Gespräche. Wir haben gekocht, entspannt und erkundet. Haben den Friedhof besucht, ein magischer Ort. Und Stunden auf dem Markt verbracht. Früchte probiert, verhandelt und beobachtet. 

Und La Paz? So chaotisch und doch so still. Belebte Straßen, ruhige Parks. Der Kontrast zwischen Arm und Reich deutlicher denn je. Barmherzige Menschen, skurrile Begebenheiten. Ein Gefängnis mitten in der Stadt, das von Insassen geführt wird. Ein grünes Kreuz, dessen Bedeutung mir doch nicht so klar ist. Viel Verkehr und wunderbare Menschen. Erinnerungen.
Will ich zurück? Dich Wiedersehen? Die chaotischen Straßen in La Paz entlang laufen, mich im Park Sonnen oder wieder in der Kirche nach Ruhe suchen? Möchte ich noch einmal in Sucre die Stadt von oben erleben? Dem Sonnenuntergang entgegen auf den Berg klettern und mich von der Musik mitnehmen lassen? Über die bunten Märkte schlendern und das Leben so richtig genießen?

Es wird nie wieder so sein, wie es beim ersten Mal war. Gefühle sind vergänglich. Erinnerungen auch. Die Zeit steht nicht still. Sekunde für Sekunde, Minute für Minute läuft sie einfach so weiter. Hört nicht auf. Stop, rufe ich laut, und doch hört mich niemand. Wir können nicht zurück.
Das Leben geht weiter. Gefühle sind an einen Ort gebunden, doch stehen (meistens) in Verbindung zu der Zeit. Es sind die Menschen, die es real machen. Doch kommen Sie mit uns zurück? Springen sie nochmal auf, auf den Zug, der sich Leben nennt? Oder trennen sich unsere Wege für immer?

Es wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Also müssen wir andere Wege einschlagen, neue Erfahrungen sammeln. Bolivien hat mich verändert. Ich erzähle von dir, mit einem Strahlen im Gesicht. Denn du hast mich überzeugt. Doch ich werde nicht wieder kommen. Muss weiter. Springe auf den Zug und fahre davon. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn die Erinnerung bleibt. Erstmal. 




Alle Fotos sind in Sucre entstanden. 

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